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Boyd, William.
Ruhelos
Berlin Verlag, Berlin
368 Seiten
22,00 Euro




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Mein Urteil über:

William Boyd:   Ruhelos

Dass William Boyd ein glänzender Erzähler ist, das hat er zuletzt mit seiner fiktiven Biografie des englischen Literaten Logan Gonzage Mountstuart bewiesen. Und auch sein neuestes Werk enttäuscht den Leser nicht.

Die Rahmenhandlung, sie spielt im Sommer 1976 in England, beginnt mit einer alltäglichen Begebenheit. Ruth Gilmartin, eine junge Sprachlehrerin, fährt mit ihrem Sohn raus aufs Land, um ihre Mutter zu besuchen. Verwundert stellt sie fest, dass ihre Mutter, obwohl kerngesund, sie im Rollstuhl sitzend empfängt. Und ihre Verwunderung steigt noch, als ihre Mutter ihr wenig später eröffnet, dass sie in Wahrheit nicht Sally Gilmartin sondern Eva Delektorskaja heißt. Nach Hause zurückgekehrt fängt Ruth an, die Lebenserinnerungen ihrer Mutter zu lesen und sie und wir Leser werden in eine faszinierende Geschichte hinein gezogen.

Denn Eva Delektorskaja, eine russische Emigrantin, wurde in Frankreich, kurz vor der Invasion der deutschen Wehrmacht, vom britischen Geheimdienst angeworben. Ausgebildet zur perfekten Spionin, darauf getrimmt unablässig selbst das nebensächlichste Detail ihrer Umgebung zu registrieren, Beschatter zu erkennen und ihnen zu entkommen, wird sie Mitarbeiterin eines Spionagenetzwerkes, das von dem geheimnisvollen Lucas Romer geleitet wird. Der Spionagering übersiedelt eines Tages in die USA, wo seine Aufgabe darin besteht, die Vereinigten Staaten, die noch überwiegend von der Idee des Isolationismus beherrscht sind, zum Eintritt in den Krieg zu bewegen. Bei einer als völlig ungefährlich deklarierten Übergabe von Informationsmaterial kann Eva nur mit knapper Not ihr Leben retten und muss feststellen, dass die Organisation für die sie arbeitet, von fremden Agenten unterwandert worden ist.

Geschickt versteht es Boyd, das Spannungsniveau der Geschichte auf einem hohen Level zu halten. Denn die Lebensgeschichte der Eva Delektorskaja wird uns häppchenweise serviert. Zwischendurch nehmen wir Teil am Alltag der jungen Sprachlehrerin Ruth, teilen mit ihr ihre Verwunderung über die Geschichten, die Sally Gilmartin ihr mitteilt und müssen irgendwann feststellen, dass die Geschichte der Eva Delektorskaja der Wahrheit entspricht.

Am Ende des Buches führt Boyd die beiden Erzählstränge zusammen. Denn obgleich Eva Delektorskaja seit vielen Jahren in ihrer neuen Tarnexistenz als Sally Gilmartin lebt, lässt die Vergangenheit sie nicht los, denn offenbar gibt es immer noch jemanden der ihr nach dem Leben trachtet. Und Eva Delektorskaja beschließt, mit Hilfe ihrer Tochter, sich zu wehren.

William Boyds neuer Roman ist eine gelungene Mischung aus klassischem Spionageroman a la John Le Carrè und dem psychologisch fundierten Roman, wie ihn vielleicht Ian McEwan schreibt. Und für mich war diese Mischung ein echter page-turner, denn ich musste mich regelrecht zwingen, das Buch aus der Hand zu legen. Unbedingt lesen, lauter daher meine Empfehlung.





          © Jürgen Heße, Februar 2007

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