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Boyle, T. C.:
Wassermusik
Rowohlt, Reinbek
712 Seiten
9,90 Euro




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Mein Urteil über:

T. C. Boyle:   Wassermusik

Die Romane von T. C. Boyle sind immer nach dem gleichen Muster aufgebaut: zwei Hauptfiguren, nebst dazu gehörigem Nebenpersonal, aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammend, mit stark voneinander abweichenden Charakterzügen, deren Geschichten in alternierenden Kapiteln erzählt wird. Irgendwann kreuzen sich die Lebenswege der beiden Hauptfiguren, sie gehen ein Stück Weg gemeinsam und dann trennen sie sich wieder. Das hört sich alles recht simpel und mechanistisch an und man könnte meinen, dass man als Leser spätestens das dritte Buch gelangweilt zur Seite legt. Doch dem ist nicht so und das liegt an der Erzähl- und Fabulierkunst von T. C. Boyle.

In "Wassermusik" lässt Boyles zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, auf einander zu steuern. Da ist zum einen der schottische Entdecker des Niger, Mungo Parks, den wir uns als wagemutigen, aber doch irgendwie trotteligen Vertreter der weißen Rasse vorstellen können. Der in völliger Unkenntnis der lokalen Sitten und Gebräuche auf dem Schwarzen Kontinent herumtappt, einzig beseelt von dem Ziel, den Verlauf des Niger zu erforschen. Einem Ziel, dem er letztendlich auch seine Ehe mit der schönen Ailie opfert, die zuerst jahrelang auf ihren Geliebten gewartet hat, der als in Afrika verschollen galt, um dann, nach ein paar Jahren mehr oder weniger glücklicher Ehe, festzustellen, dass die Entdeckerlust ihres Mannes doch stärker ist als seine Pflichten als Ehemann.

Mungo Parks Gegenpart ist der Londoner Trickbetrüger Ned Rise. Der hat es zwar drauf, mit genialen Ideen seinen Mitmenschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, sei es nun mit einem Sex-Theater im Hinterzimmer einer zwielichtigen Kneipe, das die Honoratioren der Stadt in Scharen anlockt oder mit gefälschtem Kaviar, den ihm die Köche der herrschenden Lords und Ladies quasi aus der Hand reißen, am Ende fällt er, dank der Mißgunst seiner Kumpane immer wieder auf die Schnauze und muss wieder von vorne anfangen.

Eines Tages, Ned Rise vegetiert, dem Tode näher als dem Leben, in einem Straf- und Arbeitslager vor sich hin, sucht Mungo Parks, der mittlerweile als berühmter Afrikaforscher gilt, Hilfskräfte für seine neue Expedition. Es kommt, wie es kommen muss, irgendwie schafft es Ned Rise in Parks Mannschaft aufgenommen zu werden und ein paar Wochen später kämpft sich Rise mit den anderen Teilnehmern des Expeditionskorps durch den afrikanischen Urwald. Schon bald erkennt Rise, dass die ganze Sache schlecht organisiert ist und der Führer der Expedition, Mungo Parks, ein Trottel und Versager ist. Und so kennt er schließlich nur ein Ziel, das eigene Überleben zu organisieren.

Ob und wie ihm das gelingt, das lesen Sie bitte selber nach. Und wie bei den anderen Büchern von T. C. Boyles werden Sie Seite um Seite lesen, um zu erfahren, in welche Katastrophe der Autor seine Helden nun als nächstes stürzt.

          © Jürgen Heße, August 2006

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