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Boyle, T. C.
World's End
dtv, München
616 Seiten
10,00 Euro




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Mein Urteil über:

T. C. Boyle:   World's End

World's End, 1987 erschienen, ist der dritte Roman von T. C. Boyle, für den der Autor im gleichen Jahr den Pen/Faulkner-Preis erhielt und mit dem er auch der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Wie die beiden späteren Romane von ihm, die ich hier bereits vorgestellt habe, besticht auch dieser Roman durch die Fülle an Geschichten und Begebenheiten und die Vielschichtigkeit der handelnden Personen sowie den gut recherchierten historischen Hintergrund.

Was diesen Roman von seinen Nachfolgern unterscheidet, ist die komplexere Erzählstruktur. Sind es doch zwei Zeitebenen, das 17. und das 20. Jahrhundert, in denen sich die Handlung von Boyles Roman abspielt. Im Kern geht es in Boyles Geschichte darum, wie eng Gegenwart und Vergangenheit miteinander verwoben sind, wie sich soziale Verhältnisse über Jahrhunderte hinweg fortsetzen, auch und gerade in einer offenen Gesellschaft wie der amerikanischen.

Der Roman beginnt damit, dass Walter Van Brunt, ein junger Mann, Mitte zwanzig, eines Nachts, voll mit Alkohol und Haschisch, mit seinem Motorrad gegen eine Gedenktafel knallt, die an einen niedergeschlagenen Pächteraufstand im 17. Jahrhundert erinnert. Mit diesem Aufstand hat es nun eine besondere Bewandnis, wie wir im Verlaufe des Romans erfahren, denn einer seiner Vorfahren, Jeremias Van Brunt, gehörte damals mit zu den Rebellen, der dann seine Gefährten an den Gutsbesitzer Van Wart verriet. Während Walter nun im Krankenhaus liegt, sein linker Fuß muss ihm amputiert werden, kurze Zeit später soll er dann auch noch seinen rechten Fuß verlieren, erkennt er Parallelen zwischen seiner eigenen Familiengeschichte und der Vergangenheit.

Denn auch Walters Vater hat einen Verrat begangen, hat seiner Frau und ihren Freunden, alles Liberale, die gegen die Rassentrennung waren, eine Horde wildgewordener Rednecks auf den Hals geschickt, die das Fest, das sie feiern wollten, brutal zerstörten, und sich dann aus dem Staub gemacht. Warum, fragt Walter sich, hat sein Vater Trumann, das getan. Warum ist er zum Verräter an seiner Frau und seinen Freunden geworden. Und Walter begibt sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater, den er am Ende Romans in einem gottvergessenen Kaff, irgendwo in Alaska wiederfindet.

Was Boyles Roman in meinen Augen auszeichnet, ist die gelungene Erzähltechnik. Er erzählt ungemein spannend und versteht es, den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Und wie wir es auch von seinen anderen Romanen her kennen, läßt er auch hier seine Helden von einer Katastrophe in die nächste schlittern.




          © Jürgen Heße, Mai 2004

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