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Conrad, Joseph
Herz der Finsternis
SZ-Bibliothek, München
125 Seiten
4,90 Euro




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Mein Urteil über:

Joseph Conrad:   Herz der Finsternis

Der Titel von Joseph Conrads 1899 erstmals veröffentlichten Roman steht für die Reise ins Dunkle und Unbekannte, in das Schattenreich, eben ins Herz der Finsternis. Dahin, genauer gesagt, in Zentralafrika, den Kongo hinauf, macht sich der junge Kapitän Marlowe, der bei einer belgischen Handelsgesellschaft angeheuert hat. Dort soll er einen alten Flußdampfer übernehmen und das von sogenannten Agenten zusammengeraffte Elfenbein aus dem Landesinneren an die Küste transportieren. Doch bevor er seine Arbeit aufnehmen kann, steht ihm zunächst eine quälend lange Fahrt an der afrikanischen Küste bevor.

"Diese Küste hier war fast gesichtslos, gleichsam als sei sie noch immer im Enstehen, mit einem Ausdruck eintöniger Grimmigkeit. Der Rand des gewaltigen Urwaldes - er war so dunkelgrün, dass er schon schwarz wirkte - lief, von der weißen Brandung gesäumt, schnurgerade dahin, weit, weit das blaue Meer entlang, dessen Glitzern von einem schleichenden Dunst gedämpft wurde."

Doch bevor Marlowe sein Schiff übernehmen kann, muss er sich auf einer Station melden. Dort bekommt er einen ersten Eindruck davon, wie es zugeht im Herz der Finsternis.

"Schwarze Gestalten kauerten, lagen, saßen ringsumher zwischen den Bäumen, an die Stämme gelehnt, sich an die Erde klammernd, halb sich abzeichnend in dem trüben Licht, halb davon verwischt, in allen Stellungen des Schmerzes, der Preisgegebenheit, der Verzweiflung. (...) Sie starben langsam - das war sehr deutlich. Sie waren keine Feinde, sie waren keine Verbrecher, sie waren nichts Irdisches mehr - nichts als schwarze Schatten der Krankheit und des Hungers, die durcheinandergeworfen in der grünlichen Düsternis lagen."

Und von einem Angestellten der Station hört Marlowe auch zum ersten Mal von dem geheimnisumwitterten, legendären Agenten Kurtz, der sich im Landesinneren sein eigenes kleines Reich geschaffen hat und der sagenhafte Menge Elfenbein abliefert.

Es folgen ein 200-Meilen-Marsch durch den Urwald und dann dauerte es noch einmal zwei Monate in denen er sein Boot, in Wahrheit handelte es sich um ein gesunkenes Wrack, wieder flottgemacht hatte. Und dann war es soweit, er machte sich auf, um weiter ins Landesinnere vorzustoßen. Tückische Stromschnellen und Angriffe von Eingeborenen, die die Schiffsbesatzung und eine nur vage beschriebene Gruppe von Pilgern mit wilden Gewehrgeballere abwehrte, erschwerten die Reise. Doch endlich waren sie am Ziel. Und gleich von dem Augenblick an, an dem er Kurtz zum ersten Mal begegnet, fühlt sich Marlow von diesem Mann gleichermaßen fasziniert und abgestoßen. Denn Kurtz geht für die Durchsetzung seiner Interessen über Leichen, wie Marlow bald erkennen muss.

"Jetzt sah ich sie plötzlich aus größerer Nähe, und ihre erste Wirkung auf mich war derart, dass ich verdutzt zurückfuhr. Dann ließ ich das Fernglas behutsam von Pfosten zu Pfosten wandern und erkannte meinen Irrtum. Diese runden Köpfe waren nicht ornamental, sondern symbolisch; sie waren ausdrucksvoll und verwirrend - Nahrung sowohl den Gedanken als auch den Geiern, wenn welche am Himmel gewesen wären und herabgespäht hätten; jedenfalls aber den Ameisen, die emsig genug den Pfosten hinaufliefen."

Kurtz ist schwer erkrankt und der Roman endet damit das Marlow den Todkranken zur Küste bringen soll, von wo aus er nach Europa gebracht werden soll. Doch Kurtz soll stirbt während der Fahrt den Fluss hinab und wird von den Pilgern in einem Schlammloch vergraben.

Wieder in London, händigt Marlow Kurtz Frau ein Bündel Briefe aus, die ihm dieser kurz vor seinem Tode überreicht hatte, mit der Bitte sie seiner Frau zu geben. Gefragt, was Kurtz' letzte Worte gewesen waren, lügt Marlow die Witwe an und sagt, er hätte zuletzt ihren Namen gesagt. Denn die Wahrheit - Kurtz letzte Worte waren "das Grauen, das Grauen" gewesen, wollte er ihr nicht zumuten.

          © Jürgen Heße, Dezember 2005

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