Mein Urteil über:
Don DeLillo: Cosmopolis
Lange hat der Roman von Don DeLillo bei mir auf dem Schreibtisch gelegen und auf seine Besprechung gewartet, jetzt habe ich es endlich geschafft.
DeLillo beschreibt einen Apriltag im Leben des Eric Packer. Dieser ist jung, 28 Jahre alt, hat ein Milliardenvermögen mit Aktien- und Devisenspekulationen verdient,ist mit einer schönen und reichen Frau verheiratet und verfügt natürlich über alle Insignien des Reichtums, die man sich bei einem Milliardär so vorstellt, 48 Zimmer - Wohnung, Luxuslimousine, ein Heer von Beratern und Sicherheitsleuten, die jederzeit zur Verfügung stehen und natürlich darf auch die heimliche Geliebte nicht fehlen.
Der Roman schildert nun den Ablauf eines Apriltages an dem sich Packer, in seiner mit allem technischen Schnickschnack ausgestatteten Limousine quer durch New York auf den Weg zum Friseur macht. Die Situation in der Stadt ist chaotisch, der amerikanische Präsident ist zu Besuch, wichtige Verkehrsverbindungen sind aus Sicherheitsgründen gesperrt und so schleicht die Stretchlimousine langsam durch den New Yorker Verkehr.
Unterwegs trifft sich Packer mit seiner Geliebten, etwas später mit seiner Frau, verschiedene Berater steigen zu, mit denen er die Lage an den internationalen Finanzmärkten erörtert, die für ihn immer bedrohlicher wird. Denn Packer ist ein riskantes Spekulationsgeschäft mit dem japanischen Yen eingegangen und während der Fahrt durch die Stadt kann er auf den Computerbildschirmen in seinem Wagen beobachten, wie sich sein Vermögen nach und nach in Luft auflöst. Dass er dazwischen noch in eine gewalttätige Demonstration von Globalisierungsgegnern gerät unterstreicht nur, dass Packers Welt ins Trudeln geraten ist. Ja so weit ins Trudeln geraten ist, dass am Ende der Tod als einziger Ausweg erscheint.
Klar, der junge, reiche Spekulant, der, von der Realität abgeschottet, in seiner Limouisine durch das chaotische New York fährt, das ist als zynische Beschreibung des westlichen Spekulationskapitalismus der neunziger Jahre zu lesen.
Mir hat dieser Roman nicht sonderlich gefallen und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob es dieser Roman auch in die Rezensionsseiten der führenden Tageszeitungen geschafft hätte, wenn sein Autor nicht der berühmte Don DeLillo sonder der unbekannte Harry Smith aus Iowa geschrieben hätte. Ich glaube, die Antwort ist nein. Es waren vor allem zwei Dinge, die mich an diesem Roman gestört haben. Zum einen, die Banalität der Handlung, die, versehen mit ein paar eingeschobenen kruden philosophischen Versatzstücken über die Natur des Geldes oder die Irrealität der digitalisierten Welt, letztendlich vorhersehbar war und dem Leser keine Überraschungen bot. Und zweitens die Oberflächlichkeit mit der die Romanfiguren dargestellt wurden. Weder luden diese zur Identifikation noch zur kritschen Auseinandersetzung ein. Und so blieb mir nach der Lektüre dieses Romans nur der Eindruck "so what"
© Jürgen Heße, Februar 2004 |