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Delius, Friedrich Christian.:
Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus
Rowolth, Reinbek
155 Seiten
14,00 Euro




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Mein Urteil über:

Friedrich Christian Delius:   Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus

Eine kleine, wunderschöne, heiter-melancholische Erzählung von einem, der sich seinen Traum von der Freiheit erfüllte. Delius erzählt die Geschichte des Kellners Paul Gompitz aus Rostock. Der hatte vor langer Zeit einmal den Reisebericht von Johann Gottfried Seume "Der Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802" gelesen und eines Tages war bei ihm der Wunsch da, ein einziges Mal, auf den Spuren Seumes nach Syrakus zu reisen und wieder zurück in seine Heimat, die Deutsche Demokratische Republik.

Zwei große Probleme muss Gompitz lösen. Die eine liegt klar auf der Hand, wie komme ich raus, und die zweite lautete, wie komme ich wieder rein, denn schließlich spielt die Erzählung in den Jahren zwischen 1981 und 1988, in denen es mit der Reisefreiheit zwischen Rügen und dem Erzgebirge nicht sonderlich gut bestellt war.

Akribisch beschreibt Delius die geduldigen, alle Eventualitäten bedenkenden Reisevorbereitungen seines Helden. Wie er an der Ostseeküste segeln lernt, seine Versuche, sein über die Jahre hinweg zusammengespartes Westgeld in den Westen zu transferieren. Denn eines war Gompitz klar, im Westen ist es teuer und er will niemandem auf der Tasche liegen.

Dann, nach sieben Jahren Vorbereitung, bricht Gompitz auf zu seiner Reise in den Süden. Delius erzählt von seinen Versuchen, in der Bundesrepublik Arbeit zu finden, wie er von windigen Arbeitgebern übers Ohr gehauen wird, von dem Desinteresse das ihm seine westdeutschen Landsleute entgegenbringen. Und dann endlich hat er sein Geld beisammen und reist in das Land seiner Träume: Italien.

Und wie er es in zahlreichen Briefen an die Regierung seines Staates bekundet hat, kehrt er wieder zurück.

"Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" ist eine Erzählung von einem, der sein Land liebt, und dessen Freiheitsdrang größer ist als alle widersinnigen Verbote des Staates in dem er lebte. Es ist die Geschichte von einem, der nur einmal etwas anderes sehen wollte, um dann wieder zurück zu kehren und den Daheimgebliebenen von seinen Erlebnissen zu berichten. Ein Buch vom Widerstand gegen die Staatsgewalt und von der Liebe zur Heimat.




          © Jürgen Heße, April 2004

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