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Hugo, Victor
Der Glöckner von Notre Dame
Diogenes Verlag, München
538 Seiten
11,90 Euro




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Mein Urteil über:

Victor Hugo:   Der Glöckner von Notre Dame

Victor Hugos Roman zählt ohne Zweifel zu den großen historischen Romanen der Romantik in Frankreich. Es ist eine wüste Zeit, in die uns der Autor hier führt. Die oberste politische Macht liegt formal zwar in den Händen von Louis XI, doch de facto ist sie, wie uns der Autor am Beispiel Paris, dem Schauplatz der Geschichte zeigt, weitgehend fragmentiert. Jedes Viertel, ja zum Teil einzelne Straßenzüge, hat seinen eigenen Gerichtsherrn, der quasi nach Gutdünken schalten und walten kann. Doch trotz dieser Unsicherheiten, die der mittelalterlichen Gesellschaft innewohnen, wissen die Menschen dieser Zeit woran sie sind, denn die Macht- und Rollenverteilung zwischen Oben und Unten ist für alle eindeutig festgelegt.

Protest gegen die bestehenden Verhältnisse kann sich nur bei den großen Pariser Volksfesten entladen und mit einem solchen Volksfest, dem Narrenfest, beginnt auch Hugos Roman. Hier begegnen wir drei Hauptpersonen der Geschichte: dem jungen Dichter Gringoire, Quasimodo, dem Glöckner, der während des Festes zum Narrenpapst gewählt wird, und der schönen Zigeunerin Esmeralda. Quasimodo und Esmeralda bilden das Zentrum des Romans, auf die sich alle anderen Personen beziehen. Da wäre zum einen der Archdiakon von Notre Dame, Claude Frollo, ein asketischer Mönch, der sich ganz den okkulten Wissenschaften gewidmet hat und der den missgestalteten Quasimodo, der einst als Findelkind in einer Kirche abgegeben wurde, vor dem Tode bewahrt und ihm später die Stelle des Glöckners verschafft hat, zum zweiten ist es der junge Hauptmann der königlichen Bogenschützen, Phoebus de Châteaupers und drittens eine alte Einsiedlerin, die um ihre Tochter trauert, die ihr als Baby von Zigeunern geraubt wurde.

Hugo lässt sich Zeit, seine Geschichte und die Beziehungen der Romanpersonen untereinander zu entwickeln. In vielen kleinen Parallelhandlungen, Rückblicken und Vorausschauen entwickelt er nach und nach das Geflecht von Beziehungen, das die Protagonisten des Romans verbindet. Das führt zwar manchmal zu einigen Längen und vor allem die ausführlichen Beschreibungen der Kirche Notre Dame mögen den Lesern, die über kein ausgeprägtes architekturhistorisches Interesse verfügen, als zu lang erscheinen. Doch Hugo gelingt es immer wieder, durch eine überraschende Wendung die Romanhandlung voranzutreiben.


Am stärksten beeindruckt war ich von der Beschreibung des Wunderhofes, einem Ganoventreffpunkt, in den es den jungen Dichter Gringoire verschlägt. Was Hugo dort an Figurenbeschreibungen abliefert, das ist genial und lässt einem beim Lesen an Bilder von Hieronymus Bosch denken.


Muss ich die Handlung hier noch einmal skizzieren? Ich denke nein, so oft ist die tragische Geschichte von der schönen Zigeunerin Esmeralda und Quasimodo, dem buckligen Glöckner von Notre Dame bereits nacherzählt worden.




          © Jürgen Heße, November 2007

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