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Irving, John:
Das Hotel New Hampshire
SZ Bibliothek, München
572 Seiten
4,90 Euro




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Mein Urteil über:

John Irving:   Das Hotel New Hampshire


Sollte Ihnen, verehrte Leserin, verehrter Leser, das trübe und regnerische Novemberwetter auf Stimmung und Gemüt schlagen und Sie sich nach literarischer Aufmunterung sehnen, dann kann ich Ihnen dieses Buch wärmstens ans Herz legen. Es hat all das, was einen guten Unterhaltungsroman ausmacht: ein buntes Panoptikum von Romanfiguren, die einen bereits nach den ersten Seiten so vertraut sind, als ob man schon seit Jahren Seite an Seite mit ihnen leben würde, eine Romanhandlung mit immer wieder überraschenden Wendungen, voller Situationskomik und leiser Melanchonie.

John Irving erzählt uns die Geschichte von Marry Bates und Win Berry und ihren Kindern Franny, Frank, Johnny, Egg und Lilly. Der Roman beginnt am Ende der dreißiger Jahre. Marry und Win, die gerade die Highschool absolviert haben, jobben beide in dem eleganten Hotel Arbuthnot by the Sea an der Ostküste. Dort lernen sie auch den jüdischen Dompteur und seinen Tanzbären State o' Maine, den sie später in Earl umtaufen werden, kennen. Eines Tages, Marry und Win sind bereits verheiratet, die ersten Kinder sind da, und Win zieht mit Earl den er von Freud geschenkt bekommen hat durchs Land, entschließt sich das junge Paar, die stillgelegte Mädchenschule in New Hampshire zu kaufen und in ein Hotel zu verwandeln.

Mit seinen am Boden festgeschraubten Tischen und Stühlen und den für sechsjährige Mädchen angelegten Sanitäranlagen ist das Hotel nicht die lukrative Einnahmequelle. In dieser Zeit nehmen wir teil am prallen Familienleben der Berrys. Betrauern den Tod des von allen heißgeliebten Hundes Kummer und seine mehrfache Wiederaufstehung, erleben die Vergewaltigung Frannys durch eine Footballmannschaft und nehmen daran teil, wie Frank sein Coming-out als Schwuler erlebt.

Eines Tages dann, das Hotelgschäft dümpelt vor sich hin, meldet sich überraschend Freud aus Wien. Es folgt ein reger Austausch von Briefen und Telegrammen und dann entschließt sich die Familie Berry, ihre Zelte in New Hampshire abzubrechen und nach Wien zu übersiedeln, um dort,gemeinsam mit Freud, das zweite Hotel New Hampshire aufzumachen. Doch von seiner Lage, seiner Ausstattung, aber vor allem was seine Bewohner betrifft, ist dieses Hotel nicht viel besser als ihr erstes. Ein Stockwerk wird von einer obskuren Terroristengruppe bewohnt, deren Ziel es ist, die Wiener Oper in die Luft zu jagen, während ein weiteres Stockwerk von einer Gruppe älterer Huren bewohnt wird - unvergessen Kreisch-Annie. Für deren Schutz Susi, der Bär sorgt.

Nein, ich werde jetzt die Geschichte nicht weiter erzählen, denn das hieße, Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, das Lesevergnügen zu nehmen. Nur soviel sei noch verraten. Das Buch hat ein leises, melancholisches Happy End, wenn auch nicht für jeden der Romanhelden.

Ja, und jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen gute Unterhaltung zu wünschen.




          © Jürgen Heße, November 2004

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