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Kettenbach, Hans Werner:
Die Konkurrentin
Diogenes, Zürich
522 Seiten
11,90 Euro




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Mein Urteil über:

Hans Werner Kettenbach:   Die Konkurrentin

Dass Hans Werner Kettenbach ein ehemaliger Journalist ist, merkt man seinen Romanen an. Er versteht es, gut und flüssig zu schreiben, Spannungsbögen aufzubauen, seine Leser auf falsche Fährten zu locken. Mit anderen Worten, Kettenbach ist ein Unterhaltungsschriftsteller von hohen Gnaden. Dies beweist er auch in seinem 2002 bei Diogenes erschienenen Roman "Die Konkurrentin".

Lene Auweiler, Bürgermeisterin der Schwarzen in einer Stadt im Rheinland, will Oberbürgermeisterin werden. Doch bevor sie von ihrer Partei als Spitzenkandidatin nominiert wird, muss sie sich erst noch gegen ihren Konkurrenten, den rücksichtslosen Immobilienmakler Günter "Günni" Nelles durchsetzen.

Kettenbach erzählt die Geschichte des parteiinternen Macht- und Konkurrenzkampfes aus der Perspektive von Raimund Auweiler, dem 71 Jahre alten Ehemann von Lene.

Die Ehe zwischen Raimund und seiner siebzehn Jahre jüngeren Frau plätschert schon seit Jahren vor sich hin. Seit geraumer Zeit haben sie getrennte Schlafzimmer und insgeheim verdächtigt Raimund seine Frau Lene, dass sie ihn heimlich betrügt. Dennoch steht es für ihn außer Frage, dass er seine Frau, als er von ihrem beruflichen und politischen Ziel efährt, unterstützen wird.

Und so handelt denn der Roman auch über weite Strecken von den Intrigen und Machtkämpfen zwischen Günni und Lene um den Posten des Spitzenkandidaten ihrer Partei. Und als Journalist hat Kettenbach, in satirischer Übertreibung, alle Ingredenzien einer innerparteilichen Schlammschlacht zusammengetragen. Da ist die Vergewaltigung einer Prostitutierten durch den jungen Günter Nelles, die Auweiler in seiner Arztpraxis behandelt hat. Da gibt es ein paar dunkle Punkte in Lenes Vergangenheit, wie zum Beispiel der Selbstmord eines Klassenkameraden an dem Lene Auweiler angeblich mit schuldig sei. Und da gibt es das schwarze Schaf der Familie, Lenes Schwester Edda, Alkoholikerin, die wegen eines bewaffneten Überfalls verurteilt wurde.

Immer wieder geht Raimund Auweiler in endlosen Gedankenmonologen alle Möglichkeiten durch, wie diese und noch einige andere Vorkommnisse, die aber hier nicht verraten werden sollen, die Parteikarriere seiner Frau behindern könnten, und was er tun kann, um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Ständig überlegt er was wäre wenn, spielt gedanklich alle Eventualitäten durch, solange bis der Leser das Mögliche für das Wirkliche hält, bis er am Ende des Kapitels dann vom Autor wieder auf den Boden der erzählerischen Tatsachen zurückgeholt wird.

Am Ende des nimmt das Buch eine überraschende Wendung. Es gibt ein Happy End und dennoch bleiben viele Fragen, die sich Kettenbachs Protagonist, Raimund Auweiler, gestellt hat, offen.

Hans Werner Kettenbach ist verschiedentlich mit der großen amerikanischen Krimiautorin Patricia Highsmith verglichen worden. Ich persönlich halte diesen Vergleich, mit Verlaub gesprochen, für Unsinn. Seine Themen sind andere, sein Schreibstil ist anders, seine Plots sind anders. Aber zumindest in einem Bereich liegt dieser falsche Vergleich richtig, nämlich in der stilistischen Liga in der sich Kettenbach mit Leichtigkeit bewegt.

Also lange Rede, kurzer Sinn: sollten Sie noch auf der Suche nach einer unterhaltsamen und intelligenten (Urlaubs)Lektüre sein, dann kann ich Ihnen diesen Roman nur ans Herz legen.


© Jürgen Heße, August 2004

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