büchersee.de
Literatur für Neugierige und Genießer
meine Empfehlungen
Literaturlinks
Maier, Andreas:
Klausen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt
215 Seiten
8,00 Euro
jetzt bestellen bei amazon.de
jetzt bei Libri.de bestellen

Mein Urteil über:

Andreas Maier:   Klausen

Mit seinem 2000 erschienen Romanerstling "Wäldchestag" hatte Andreas Maier sich sofort Lob und Anerkennung der deutschen Literaturkritik gewonnen. Um so gespannter erwartete man seinen zweiten Roman, der dann im Jahr 2002 erschien.

Ebenso wie sein Vorgänger ist auch Maiers neuer Roman Klausen durch eine Erzählstruktur gekennzeichnet, die den Leser sofort an Thomas Bernhard denken läßt. Die fehlende Kapitelunterteilung, nur wenige Absätze, die den Textkörper auflockern, die ausschließliche Verwendung der indirekten Rede, all das verleiht dem Text etwas hermetisches. Aber um es gleich vorweg zu sagen: es fällt leicht, in die Maiersche Erzählwelt hinein zu gelangen und ist man erst einmal drin, so läßt sie einen auch nicht mehr los.

Schauplatz der Handlung ist der kleine Südtiroler Ort Klausen, der dem Roman auch seinen Titel gegeben hat. Doch schon hier taucht die erste Frage auf. Kann man überhaupt von einer Handlung bei diesem Roman sprechen. In gewisser Weise sicherlich, andererseits auch wieder nicht. Oder wie der unbekannte Erzähler am Ende des Romans resümiert "Niemand wußte eigentlich recht, was an diesem Tag passiert war, was aus Zufall geschehen, was vorsätzlich vonstatten gegangen war. Aus der Nähe betrachtet, löste sich das Geschehen in einen Kosmos von Möglichkeiten auf, aber wenn man es aus der Ferne sah, war alles ganz deutlich und sogar einfach."

Erzählt werden über einen Zeitraum von ungefähr drei Wochen eine Reihe von Begebenheiten, die die Einwohnerschaft des kleinen Ortes erschütterten. Da wird von einem Anschlag auf die nahegelegene Autobahn berichtet, auf dem Dorfplatz findet zu nächtlicher Stunde eine Prügelei statt, eine alte Burg, die jetzt von Asylsuchenden aus Albanien bewohnt wird, wird zum Schauplatz einer Polizeirazzia. Doch jedes dieser Ereignisse wird sogleich im nächsten Satz relativiert oder gar in sein Gegenteil verkehrt. Und so wird der Leser nach und nach in die verwirrende Welt des kleinen Welttheaters Klausen hineingezogen und weiß am Ende nicht, was Wahrheit, was Fiktion ist.

Man kann Maiers Roman durchaus als eine kleine satirische Provinzposse lesen, so nach dem Motto, "so sind sie halt, die Südtiroler". Doch wird man damit meines Erachtens, dem Roman damit nicht gerecht. Denn im Kern beschreibt Maiers Roman, satirisch zugespitzt, wie sich in unserer mediengeilen Gesellschaft Meinung bildet. Eine kleine Nachricht taucht auf, wird von den anderen aufgegriffen, dann folgen die Gegendarstellungen, die wiederum Gegengegendarstellungen hervorrufen und so weiter und so fort. Bis sich alles in Nichts auflöst und für einen kurzen Moment Ruhe einkehrt.

Und da Klausen überall ist, kann ich die Lektüre dieses Romans nur empfehlen. Denn wann hat man schon einmal die Möglichkeit auf solch witzige Art wie hier, sich über Kommunikation und Meinungsbildung zu informieren.

                    © Jürgen Heße, Mai 2004

Im Büchersee
nicht fündig
geworden?

In meinem Shop
finden Sie
bestimmt Ihr
Wunschbuch
oder schauen
Sie bei
meinen anderen
Partnern vorbei
Libri.de - Und Bücher kommen immer gut an
www.abebooks.de - Antiquarische gebrauchte Bücher