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McCarthy, Cormac:
Die Straße
Rowohlt Verlag, Reinbek
253 Seiten
19,90 Euro

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Mein Urteil über:

Cormac McCarthy:   Die Straße

"Auf der anderen Seite des Flusstals führte die Straße durch völlig verbranntes schwarzes Gelände. In alle Richtungen erstreckten sich verkohlte, astlose Baumstümpfe. Asche wehte über die Straße, und von den geschwärzten Strommasten hingen wie schlaffe Hände abgerissene Kabel und wimmerten dünn im Wind. Auf einer Lichtung ein abgebranntes Haus, dahinter ein Streifen Weideland, öde und grau, und ein nackter roter Erdwall von einer verlassenen Baustelle."

So schaut sie also aus die Welt, nachdem die Reiter der Apokalypse ihr Werk vollendet haben. Aschgrau, verbrannt, kein Vogel singt mehr, keine Blume blüht. Durch diese düstere Szenerie schleppen sich ein Mann und ein Junge, Vater und Sohn werden sie im Roman genannt, ihre Namen erfahren wir nicht, und was würden sie denn auch für eine Rolle spielen, in dieser Welt, die an ihr Ende gekommen ist. Ihre wenigen Habseligkeiten haben sie in einen Einkaufswagen verstaut. Ständig auf der Hut vor kannibalistischen Banden, die durch das Land streifen, wollen die beiden nach Süden ans Meer. Angeblich soll es dort wärmer und insgesamt besser sein, aber genau weiss es der Vater auch nicht. Aber letztendlich ist das auch egal, Hauptsache sie haben ein Ziel. Wie lange die beiden schon unterwegs sind, erfahren wir nicht, doch vieles deutet darauf hin, dass sie schon ein paar Jahre durch diese trostlose Wüstenei irren. Auf ihre nackte Existenz reduziert, bestehen ihre Tage in der immergleichen Abfolge von Marschieren, der Suche nach einem sicheren Schlafplatz und der verzweifelten Suche nach Nahrung.

Gibt es Werte und Normen in dieser Welt? Ja, es gibt sie, es ist eine Maxime, die die Guten, zu denen sich der Mann und der Junge rechnen, von den Bösen unterscheidet: Die Guten essen keine Menschen. Doch ansonsten gelten die harten Regeln des Überlebenskampfes.

Irgendwann gelangen die beiden ans Meer, doch besser ist es dort nicht. Im Gegenteil wird alles immer nässer, schwärzer und trostloser. Der Mann wird immer kränker, hustet sich die Seele aus dem Leib und stirbt schließlich in den Armen des Jungen, der wenig später von einer Gruppe Guter aufgelesen wird.

Unter den Endzeitromanen die in letzter Zeit erschienen sind, ich denke da spontan an Thomas Glavinics "Die Arbeit der Nacht" oder an "Die Wand" von Marlen Haushofer, ist Cormac McCarthys Roman "Die Straße" mit Sicherheit der düsterste und verstörendste.

                   © Jürgen Heße, Mai 2007

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