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de Moor, Margriet:
Sturmflut
Hanser Verlag, München
350
21,50 Euro

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Mein Urteil über:

Margriet de Moor:   Sturmflut

"Sturmflut" ist der erste Roman, den ich von der bekannten und viel gerühmten holländischen Autorin Margriet de Moor gelesen habe. Und nach allen was in den Literaturbeilagen über ihre Romane geschrieben wurde, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch, als ich vor ein paar Monaten ihren neuesten Roman zu lesen begann. Vielleicht zu hoch, denn so rundum zufrieden hat mich die Geschichte, die Margriet de Moor hier erzählt nicht gemacht.

Den realen Hintergrund für die Romanhandlung bildet die griße Sturmflut die 1953 weite Teile Hollands verwüstet hat und bei der rund 1.800 Menschen den Tod fanden. Es ist eine Geschichte von Schwesternrivalität, von Schuld und Sühne und der Frage, was die Identität eines Menschen ausmacht, die Margriet de Moor in bedächtiger und ruhiger Art vor dem Leser ausbreitet. Die Handlung lässt sich knapp so zusammenfassen:

Amanda und Lily sind zwei Schwestern, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Und so bittet Amanda ihre Schwester eines Abends darum sie bei einer kleinen Familienfeier bei ihrem Patenkind zu vertreten, während sie derweilen auf Lilys kleine Tochter aufpasst. Beide ahnen nicht, dass Amanda ihre Schwester unwillentlich in den Tod schickt. Denn Lily nimmt den Vorschlag an und macht sich auf den Weg nach Zeeland und fährt geradewegs der Sturmflut entgegen. In langen Passagen erzählt de Moor die nun sich anbahnende Katastrophe. Zunächst die heitere, idyllische Familienfeier, dann der Versuch Lilys wieder nach Hause zurückzukommen, was aber nicht gelingt, weil viele Deiche schon gebrochen sind und immer größere Teile des Landes überflutet werden. Schließlich kann sie sich mit einer Gruppe von Menschen vorläufig auf den Dachboden eines Hauses retten. Und als die Wassermassen immer höher steigen, versuchen die Eingeschlossenen sich mit einem kleinen Boot zu retten, wobei Lily dann letztendlich ertrinkt.

Für die nichtsahnende Amanda geht das Leben an diesen Tagen seinen gewohnten Gang. Erst spät erfährt sie, wie viele andere Menschen, die im Inneren des Landes leben, von der Katastrophe an der Küste. Es folgen Tage und Wochen des Suchens nach der verschollenen Schwester und endlich das Eingeständnis, dass sie gestorben sein muss. Amanda lässt ihre Schwester für tod erklären. In einem zweiten Erzählstrang, der kunstvoll mit der Erzählung von Lilys Tod verwoben ist, schildert de Moor das Leben Amandas. Diese heiratet Sjörn, Lilys Ehemann, mit dem sie in ihrer Jugend befreundet war und den ihre Schwester ihr dann ausgespannt hat. Amandas Ehe nimmt den üblichen, tragischen Verlauf. Die Liebe erkaltet, die beiden Eheleute haben sich eines Tages nichts mehr zu sagen und empfinden nichts mehr füreinander, Ssjörn, ihr Gatte, hat eine Geliebte und auch sie geht eine kurze Affäre ein.

All das erzählt Margriet de Moor in einer ruhigen und bedächtigen Weise. Dass sie bei ihrer Geschichte auf vordergründige Showeffekte verzichtet, dagegen ist meines Erachtens nichts einzuwenden. Mir war das Ganze jedoch zu bedächtig, zu kammerspielhaft, denn schließlich kämpften zumindest eine Gruppe von Personen in diesem Roman um ihr Überleben. Und auch die widersprüchliche und spannungsgeladene Beziehung zwischen den beiden Schwestern wurde meiner Meinung nach vielfach nur angedeutet, ohne dass sie tiefer ausgeleuchtet worden wäre.

Sturmflut von Margriet de Moor ist ohne Zweifel ein lesenswertes Buch, als ein literarisches Highlight habe ich es jedoch nicht empfunden.


                ©Jürgen Heße, Dezember 2006

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