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Roth, Philip:
Das sterbende Tier
Hanser Verlag, München
165 Seiten
16,90 Euro

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Mein Urteil über:

Philip Roth:   Das sterbende Tier

Mit seinem Buch "Das sterbende Tier" ist Phlip Roth ein kleines Meisterwerk gelungen. Denn selten hat jemand so einfühlsam und gleichzeitig so analytisch über die Zusammenhänge zwischen Lust und Tod, Liebe und Leidenschaft geschrieben, wie Roth.

Erzähltechnisch ist das Buch als Ich-Erzählung des zweiundsechzig Jahre alten Literaturprofessors und Kritikers David Kepesh, Kennern der Romane Roths bereits aus "Der Professor der Begierde" und "Die Brust" bekannt, angelegt. Einem unbekannten Gesprächspartner erzählt Kepesh die Geschichte seiner leidenschaftlichen Beziehung zu der schönen, vierundzwanzigjährigen Studentin Consuela.

Damals, als in den sechziger Jahren mit der Studentenrevolte auch die sexuelle Revolution einsetzte und Kepesh am Beginn seiner akademischen Karriere stand, hat er seine Frau und seinen Sohn verlassen, um sich ganz seinen erotischen Leidenschaften hingeben zu können. Kultiviert, mit einem entsprechenden Einkommen ausgestattet, bekannt und bewundert durch sein wöchentliches Kulturmagazin im Fernsehen, fiel es ihm leicht, sich unter den Studentinnen seines Seminars eine Geliebte auszusuchen. Festgelegt auf einen bestimmten Frauentypus war er dabei nicht. Nur eine eherne Regel beachtete er: er fing eine Affäre mit einer Studentin nur dann an, wenn sie ihr Examen absolviert hatte.

Und auch als er eines Abends die junge und schöne Consuela, Tochter kubanischer Emigranten, verführt, scheint diese Affäre für Kepesh nur eine von vielen zu sein. Doch immer stärker verfällt der Schönheit ihres Körpers, wobei ihm ihre großen, wohlgeformten Brüste ganz besonders faszinierten. Das klingt nun doch nach sabbernden Altmännerphantasien. Aber Roth läßt seinen Protagonisten Kepesh von seiner Obsession mit einer derart analytisch nüchternen Sprache erzählen, dass der Gedanke an Schlüpfrigkeit erst gar nicht aufkommen kann.

Wegen eines Missverständnisses kommt es zu einem Streit zwischen Consuela und Kepesh. Die beiden trennen sich und verlieren sich für mehrere Jahre aus den Augen. Eines Tages kommt es dann zu einer Wiederbegegnung und Kepesh erfährt, dass seine einstige Geliebte, die er immer noch anbetet, an Brustkrebs leidet.

Mit "Das sterbende Tier" hat Roth erneut ein in seinen Romanen stets wiederkehrendes Thema, die Auseinandersetzung mit Alter und Leidenschaft, aufgegriffen. Insofern wird der Kenner des Rothschen Werks hier nicht viel Neues erfahren. Was den Roman jedoch auszeichnet, ist die Konzentration auf dieses eine, für Roth offenbar zentrale, Thema seines Schreibens. Für alldiejenigen, die diesen großen amerikanischen Autor noch nicht kennen, ist dieses Buch guter Einstieg.



                   © Jürgen Heße, Juli 2004

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