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Schenkel, Andrea Maria:
Tannöd
Edition Nautilus, Hamburg
125 Seiten
12,90 Euro

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Mein Urteil über:

Andrea Maria Schenkel:   Tannöd

Wie traurig muss es um die deutschsprachige Kriminalliteratur bestellt sein, habe ich gedacht, als ich Andrea Maria Schenkels Krimidebüt "Tannöd" vor ein paar Wochen zuende gelesen hatte, dass diesem Roman der Krimipreis 2007 verliehen wird.

Nein, schlecht ist er nicht dieser Krimi und wenn man in Betracht zieht, dass es der erste Roman dieser Autorin ist, so ist er ohne Zweifel hervorragend zu nennen. Aber preiswürdig? Die Story, die die Autorin uns erzählt, beruht auf einer wahren Begebenheit: Auf einem abgelegenen Einsiedlerhof werden die Bewohner brutal mit einer Spitzhacke erschlagen, vom Täter gibt es keine Spuren.

Ein solches Verbrechen, wenn es in Form eines Kriminalromans verarbeitet wird, verlangt geradezu nach einem Ermittler, sei es nun ein knorrig-kauziger Kriminalbeamter, ein Journalist, der Dorfpfarrer oder wer auch immer für solch eine Aufgabe in Frage kommen mag. Doch Andrea Maria Schenkel hat auf eine zentrale Figur, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, verzichtet.

Stattdessen bedient sie sich der Montagetechnik, wie wir sie seit John Dos Passos "Manhattan Transfer" kennen, und lässt eine Reihe von Zeugen (Nachbarn, Verwandte, den Dorfpfarrer, den ermittelnden Kriminalbeamten etc) zu Wort kommen, deren Aussagen die Tat und deren Hintergründe rekonstruieren. Das ist durchaus gelungen, denn Andrea Maria Schenkel schreibt nüchtern und einfühlsam zugleich, verschafft jeder Person ihren individuellen Ausdruck und schafft es zugleich über die gesamten 125 Seiten hinweg eine Atmosphäre der Enge und Beklemmtheit, des Schweigens und Wegguckens zu schaffen. Und Anlässe wegzuschauen und wegzuhören, die liefern die Opfer, allen voran der Bauer Danner, reichlich. Von der schlechten Behandlung von Zwangsarbeitern, die während des Krieges auf dem Hof arbeiteten, ist die Rede, zwielichtige Schwarzmarktgeschäfte soll der Bauer nach Kriegsende getätigt haben, von Ehebruch und Inzest wird geredet. Und irgendwann am Ende kommt der Täter dann auch selbst zu Wort.

Wie gesagt, die Geschichte ist spannend erzählt und die Erzähltechnik mag den Rahmen, wie wir sie aus den herkömmlichen Whodunnit-Romanen kennen sprengen, doch preiswürdig fand ich den Roman bei weitem nicht.

                   © Jürgen Heße, April 2007

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