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Schröder, Bernd:
Hau
Hanser Verlag, München
364 Seiten
21,50 Euro

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Mein Urteil über:

Bernd Schröder:   Hau

Am 6. November 1906 wird die vermögende Medizinalratswitwe Josefine Molitor in Baden-Baden aus dem Hinterhalt erschossen. Der Verdacht fällt schnell auf ihren Schwiegersohn Carl Hau, der in einem Aufsehen erregenden Indizienprozess zunächst zum Tode und später dann zu einer lebenslänlichen Freiheitsstrafe verurteilt wird. Der Prozess gegen Hau war der Sensationsprozess zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und gestützt auf das in großem Umfange vorhandene Archivmaterial - auch Hau selber hat den Prozess gegen ihn und seine Haftjahre in zwei Romanen verarbeitet - rekonstruiert Bernd Schröder die Geschichte dieses mysteriösen Kriminalfalls. Denn auch nach 364 Seiten auf denen der Autor den Fall Hau minutiös ausbreitet, bleibt die Person Carl Hau dem Leser ein Rätsel.

Denn dieser passt so gar nicht in die behäbige und sittsame, vom Elite- und Standesdenken der Kaiserzeit beherrschten, Bürgerwelt Badens. Ein Hochstapler und Schwindler ist er, einer der auf seinen monatelangen Geschäftsreisen in die Türkei den Erbteil seiner Frau mit vollen Händen verschleudert. Ehrgeizig und mit einer raschen Intelligenz ausgestattet macht Hau, nachdem er Lina Molitor, die ältere der beiden Töchter der Familie Molitor, geheiratet hat, in den USA als Rechtsanwalt und Juraprofessor Karriere. Doch seine Anstrengungen, als Wirtschaftsanwalt für große US-Konzerne zu reüssieren scheitern.

Bernd Schröder verzichtet bei seiner Nacherzählung des Fall Hau bewusst auf eine lineare Erzählstruktur. Stattdessen springen die einzelnen Kapitel des Buches im zeitlichen Ablauf hin und her und der Leser muss und soll sich anhand der verschiedenen Puzzleteilchen sein eigenes Bild machen. Das mag zum Beginn vielleicht ein wenig anstrengend und verwirrend sein, doch nach und nach entsteht beim Leser nicht nur ein Bild von diesem rätselhaften Kriminalfall, sondern in zahlreichen, wie beiläufig eingestreuten Sätzen, entwirft Schröder hier ein Sittengemälde des bereits in seinen Grundfesten morschen Kaiserreiches.

Der Widmung zufolge, die dem 1986 verstorbenen Regisseur Peter Beauvais zugeeignet ist, war der Stoff des Romans ursprünglich als Vorlage für einen Film gedacht. Daraus ist (noch) nichts geworden, aber solange die Geschichte des Fall Hau noch nicht filmisch umgesetzt wird, haben wir das große Glück, Bernd Schröders Buch zu lesen.

                   © Jürgen Heße, Februar 2007

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