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Schulz, Frank:
Das Ouzo-Orakel
Eichborn Verlag, Frankfurt
544 Seiten
Preis 24,90 Euro
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Mein Urteil über:

Frank Schulz:   Das Ouzo-Orakel

Egal, was ich in den restlichen Monaten dieses Jahres noch lesen werde, so wird der neue Roman von Frank Schulz, "Das Ouzo-Orakel", dritter Teil seiner Hagener Trilogie (hier Teil 1 und Teil 2) ohne Zweifel zu den Büchern gehören, die mich in diesem Jahr am meisten enttäuscht haben.

Mit den beiden erwähnten Romanen, insbesondere dem Geniestreich "Morbus Fonticuli" hat sich Schulz den Ruf eines Schreibers von abgedrehten, alkohol- und zigarettenqualmdurchtränkten Romanen erworben und ich kann es ja durchaus nachvollziehen, dass man als Schriftsteller ganz bewusst gegen die Erwartungshaltung der Fangemeinde anschreibt, um zu verhindern, dass man für den Rest seines Schriftstellerlebens auf ein einziges Genre festgelegt ist. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber dann doch nicht gleich mit einer Geschichte, die sich irgenwo zwischen Julia-Heftchenroman und Rosamunde Pilcher. Klar, Frank Schulz kann gut erzählen, ist belesen und versteht es mit Sprache umzugehen, all das merkt man auch seinem neuen Roman an. Und dann verschwendet er sein Talent an eine Geschichte, die sich über 544 Seiten spannungslos dahinschleppt.

Bodo Morten, hat es nach seiner Einweisung in eine psychiatrische Anstalt, in der er von seiner Fontanellenkrankheit und seiner Alkoholsucht geheilt worden ist, nach Griechenland verschlagen. Hier lebt er in dem kleinen Dorf Kouphala. Dem Alkohol hat er abgeschworen, seinen Tagesablauf streng reglementiert, ein selbst aufgestellter Plan sagt ihm, wann er zu lesen, zu schwimmen oder einzukaufen hat. In der Ferienzeit kommen seine Freunde aus Deutschland zu Besuch. Man verbringt die Tage am Strand und sitzt in der Nacht trinkend und erzählend in den Tavernen und Bars des Dorfes beisammen. Und für die erotischen Bedürfnisse der vierzigjährigen alleinreisenden Damen steht die männliche Bewohnerschaft des Dorfes zur Verfügung.

Bodo Morten betrachtet das gesellige Treiben, die Gerüchte und Intrigen, die in der kleinen Gemeinschaft die Runde machen, mit abgeklärter Distanz. Bis eines Tages überraschend Monika Freymuth auftaucht, die auf der Suche nach ihrem Mann ist, der sie vor ein paar Wochen in Deutschland sitzen gelassen hat. Und eben diese Monika, die im Laufe des Romans in den Armen eines Dorfbewohners ihre späte sexuelle Erfüllung finden soll, entpuppt sich als Mortens erste Jugendliebe, in die er sich mit vierzehn oder fünfzehn Jahren verliebt hatte. Dass in solchen Fällen selbst die ausgefeiltesten Krisen- und Notfallpläne nichts helfen, liegt auf der Hand. Und so macht sich denn Bodo Morten eines Tages auf, ausgestattet mit einer 5-Liter-Flasche Ouzo, um das sogenannte Ouzo-Orakel, einen geheimnisumwitterten Einsiedler, der in den Bergen oberhalb des Dorfes lebt, um Rat und Hilfe zu fragen.

Und was das Orakel dem Ratsuchenden zu sagen hat und ob die beiden Liebenden schlussendlich zueinander finden oder nicht, das lesen Sie am besten selber nach.


                       © Jürgen Heße, August 2006

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