Mein Urteil über:
Georges Simenon: Die Verlobung des Monsieur Hire
Dies ist eines der Bücher, die schon seit langem auf meiner Leseliste standen. Ich hatte noch dunkel die Verfilmung des Romans von Patrice Lecomte in Erinnerung, die mir damals ausgesprochen gut gefallen hatte. Und so habe ich denn vor ein paar Tagen erwartungsvoll diesen Non-Maigret von Simenon gelesen.
Die Handlung des Romans ist schnell ezählt: Monsieur Hire, der in kleinen, ja man kann ruhig sagen erbärmlichen Verhältnissen lebt, führt ein äußerst zurückgezogenes Leben. In einem kleinen Kellerbüro in der Stadt betreibt er einen halblegalen Versandhandel. Und außer der Mitgliedschaft in einem Bowlingklub hat er keine Hobbys oder andere Freizeitbeschäftigungen. Doch Monsieur Hire hat ein Geheimnis. Schon seit langem beobachtet er heimlich vom Fenster seiner Wohnung aus, ein Mädchen. Und dann passiert eines Tages im Viertel ein Mord. Rasch gerät Monssieur Hire, von dem man so wenig weiß und der vor langer Zeit einmal wegen eines Sittlichkeitsverbrechen verurteilt wurde, in Verdacht. Doch nur er und das Mädchen Alice, das er beobachtet, kennen den wirklichen Mörder.
Alles in allem konnte mich dieser Roman nicht völlig überzeugen. Ich fand die Geschichte an manchen Stellen etwas zu langatmig erzählt und auch die verschiedenen Handlungsstränge waren manchmal nur recht lose miteinander verknüpft.
Wie bei allen anderen Romanen von Simenon, zeigt der Autor auch hier seine Könnerschaft, mit nur wenigen Sätzen eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen, den Leser in ein ihm unbekanntes soziales Milieu zu entführen, dass ihm aber nach einigen Seiten Lektüre dann so vertraut ist, dass er praktische Küchengerüche genau beschreiben kann.
Mein Fazit: Sicherlich kein Highlight unter den Simenon-Romanen, aber doch ein lesenswertes Buch. Ob man es nun vor oder nach dem Film lesen sollte, vermag ich nicht zu sagen. Ein Vergleich zwischen beiden lohnt sich jedoch allemal.
© Jürgen Heße, September 2004 |