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Donna Tartt:
Der kleine Freund
Goldmann Verlag, München
763 Seiten
24,90 Euro


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Mein Urteil über:

Donna Tartt:   Der kleine Freund:

Donna Tartts zweiter Roman spielt in Alexandria, einer kleinen Stadt in den Südstaaten der USA. Dort hat sich die Familie Cleve in ihrem Wohnsitz Drangsal versammelt, um das traditionelle Muttertagsessen zu begehen. Es herrscht die bei solchen Familienzusammenkünften übliche Hektik, man trinkt, plaudert, wartet auf die nächste Mahlzeit, währenddessen die Kinder von Charlotte Cleve draußen im Garten spielen. Die Idylle zerbricht, als man den neunjährigen Robin, Charlottes jüngsten Sohn, plötzlich erhängt an einem Baum findet. Der Mörder wird nicht gefunden. Mit dieser Szene beginnt der neue Roman von Donna Tartt.

Zwölf Jahre später macht sich Harriet, Robins zwölf Jahre alte Schwester, die ihren Bruder nur von einem alten Familienfoto kennt, daran, das Geheimnis seines Todes aufzuklären. Und obwohl in ihrer Familie immer viel von alten Familiengeschichten erzählt wurde, verfallen ihre Mutter und ihre Tanten in Schweigen, wenn sie nach den Umständen von Robins Tod fragt.

Doch leider läßt die Autorin diesen Erzählstrang irgendwann im ersten Drittel des Buches auslaufen und die Handlung plätschert so dahin. Wir erfahren viel über die Geschichte der Familie Cleve, lernen Harriets Tanten und ihren hibbeligen Freund Hely kennen. Und irgendwann tauchen dann die Ratliffs, Eugene, der als obskurer Prediger mit Kisten voller Giftschlangen durch die Lande reist, Farish, im Drogengeschäft tätig und an paranoiden Verfolgungswahn leidend und sein kleiner drogensüchtiger Bruder Danny, die von Harriet verdächtigt werden ihren Bruder Robin ermordet zu haben.

Zwar versteht es Donna Tartt ihre Leser in einzelnen Szenen in ihren Bann zu ziehen, vor allem am Ende des Buches als es zur unmittelbaren Konfrontation zwischen Danny und Harriet in einem stillgelegten Wasserturm kommt. Letztendlich leidet das Buch aber daran, dass sich die Autorin nicht entscheiden konnte, was für ein Buch sie eigentlich schreiben wollte. Für eine großangelegte Familiensaga, wie sie zuletzt beispielsweise Jonathan Franzen mit "Die Korrekturen" vorgelegt hat, bleiben die Charaktere des Romans einfach zu blaß, sieht man einmal von der Hauptfigur Harriet und ihrer Mutter Charlotte ab. Und für einen Kriminalroman wird weder im Laufe des Romans ein Motiv für den Mord herausgearbeitet noch irgendein nachvollziehbarer Hinweis auf einen möglichen Täter gegeben. Und so läuft dieser Handlungsstrang einfach ins Leere.

Mein Fazit: Es lohnt sich nicht, dieses Buch zu lesen.



                           © Jürgen Heße, März 2004

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