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Barbara Vine:
Königliche Krankheit
Diogenes Verlag, Zürich
586
12,90 Euro


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Mein Urteil über:

Barbara Vine:   Königliche Krankheit

Von Barbara Vine alias Ruth Rendell hatte ich bislang nur überwiegend positive Rezensionen ihrer Bücher gelesen und so begann ich mit einer hohen Erwartungshaltung ihren Roman "Königliche Krankheit" zu lesen. Und um es gleich vorweg zu sagen, ich hatte mir mehr von diesem Buch erwartet.

Vine ezählt die Geschichte von Lord Martin Nanther, Mitglied des britischen Oberhauses, der an einer Biografie seines Urgroßvaters Henry Thomas Nanther arbeitet. Dieser war im 19. Jahrhundert ein berühmter Mediziner und Leibarzt von Queen Victoria und ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Hämophilie, der Bluterkrankheit. Neugierig gemacht, durch geheimnisvolle Andeutungen in den zurückgelassenen Aufzeichnungen seines Urahns, in denen von schrecklichen Vorkommnissen die Rede ist, vertieft sich Martin Nanther immer mehr in die Geschichte seines Urgroßvaters und entschlüsselt nach und nach das Geheimnis seines Lebens.

Der zweite Handlungsstrang von Barbara Vines Roman spielt in der Gegenwart, genauer gesagt im Jahr 1999, wo sich das britische House of Lords quasi selbst abschaffte, in dem es beschloss, die Zahl seiner Mitglieder von 700 auf 92 zu reduzieren, in dem jetzt nur noch die Erblords Sitz und Stimme im Oberhaus haben sollten. Und auch Martin Nanther gehört zu denen, die ihren Sitz im Oberhaus verlieren werden. Mit Akribie und vielen intimen Detailkenntnissen schildert Vine die Debatten im Oberhaus. Der Leser erfährt jede Menge über die jahrhundertealten Rituale dieser britischen Institution, wer wo sitzen darf, wer Zugang zur Bibliothek hat und wer nicht und noch vieles mehr.

All das liest sich durchaus unterhaltsam, aber eine rechte Spannung kam bei mir beim Lesen nicht auf. Dazu war die Geschichte über weite Strecken doch zu langatmig erzählt. Der wesentliche Mangel des Romans, so scheint mir, liegt in seiner Unentschlossenheit. Ist er nun historischer Roman mit ein paar kriminalistischen Einsprengseln oder ein zeitgenössischer Gesellschaftsroman, der dem Leser einen Einblick in die Welt der britischen Lords erlaubt? Und so pendelt der Roman zwischen diesen beiden Welten hin und her und lässt den Leser leicht unzufrieden zurück, denn er ahnt, dass die Autorin mehr aus dieser Geschichte hätte machen können.



                   © Jürgen Heße, November 2005

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