Mein Urteil über:
Jan Weiler: Antonio im Wunderland
Vor zwei Jahren feierte Jan Weiler, damals noch Chefredakteur des SZ-Magazins, mit seinem Roman "Maria, ihm schmeckt's nicht" (hier), über seinen italienischen Schwiegervater Antonio Marcipane und dessen Sippe einen Überraschungserfolg. Und so ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn Autor und Verlag an diesen Erfolg anknüpfen und jetzt der zweite Band mit den haarsträubenden Abenteuern, die der Ich-Erzähler mit seinem Schwiegervater erlebt.
Bestach der erste Band noch durch seine gelungene Mischung aus gelungener Situationskomik und der vor allem ab der zweiten Hälfte des Buches immer stärker in den Vordergrund tretenden liebevoll-melancholischen Rückschau des Gastarbeiters Marcipane auf die ersten schwierigen Jahre in diesem fremden, abweisenden und kalten Deutschland, so ist der zweite Roman nun nur noch lustig. Was ihm aber nicht zum Vorteil gereicht.
Antonio, mittlerweile Rentner geworden, will auf seine alten Tage noch einmal in die USA. Nicht einfach so zum Vergnügen, sondern um den bekannten Architekten Mauro Conti, der vor fünfzig Jahren, ebenso wie Antonio, das gemeinsame Heimatdorf Campobasso verlassen hat und in den Staaten eine Traumkarriere hingelegt hat. Und eben diesen Mauro Conti will Antonio nun dafür gewinnen, die verfallende Altstadt von Campobasso zu restaurieren. Dass ihn sein Schwiegersohn bei dieser Expedition begleiten wird, daran besteht von Anfang an keinerlei Zweifel. Mit von der Partie ist Antonios Freund Benno, einem eher unbedarften Krefelder Biertrinker, dessen Reisezweck der Erwerb eines Rauchverzehrers ist. Und so macht sich denn die kleine Reisegesellschaft frohen Mutes auf den Weg und stolpert vom Start weg von einer Katastrophe in die nächste. Doch am Wende wird, dank einer unverhofften Begegnung, alles gut. Denn schließlich ist man ja im Wunderland USA.
Das alles erzählt Jan Weiler mit leichter Hand und hin und wieder gelingen ihm Szenen, die in ihrer slapstickhaften Komik förmlich nach einer Verfilmung rufen.
© Jürgen Heße, Oktober 2005
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