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Jan Weiler:
Maria, ihm schmeckt's nicht
Ullstein Taschenbuch Verlag, Berlin
256 Seiten
9,00 Euro


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Mein Urteil über:

Jan Weiler:   Maria, ihm schmeckt's nicht

Für uns gehören sie eigentlich immer schon dazu, die Tonis und Marios, die Elisabettas und Marias, die sich in den fünfziger und sechziger Jahren aus Kalabrien, Sizilien oder Apulien aufmachten, um hier in Deutschland als Gastarbeiter ihr Glück zu ma-chen. Ihnen hat Jan Weiler, Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung, mit seinem Buch "Maria, ihm schmeckt's nicht! und vor allem in Gestalt des Helden seines Buches, Antonio Marcipane, ein augenzwinkerndes Denkmal gesetzt.

Der äußere Rahmen, der die zwölf Episoden, aus denen das Buch besteht, zusammenhält, ist schnell erzählt. Der Ich-Erzähler, gehen wir mal davon aus, es ist der Autor höchstpersönlich, verliebt sich in eine junge Frau namens Sara. Diese ist die Tochter des italienischen Gastarbeiters Antonio Marcipane und seiner Frau Ursula. Und so wie es sich gehört, hält der junge Mann beim Vater seiner Geliebten um die Hand seiner Tochter an. Nachdem die ersten Ängste abgebaut sind, der Autor keine Angst mehr zu haben braucht, in die Hände eines Mafia-Clans gefallen zu sein, der nur danach trachtet, ihm einen Finger abzuschneiden und von seinen Eltern ein ho-hes Lösegeld zu erpressen, wird der Schwiegersohn in spe rasch in die italienische Großsippe der Marcipanes aufgenommen.

In deren Mittelpunkt steht sein Schwiegervater Antonio. Während er in den ersten Kapiteln des Buches als ein leicht trotteliges, aber dennoch gewitztes Schlitzohr geschildert wird, der von einer haarsträubenden Situation in die nächste gerät, entpuppt er sich in den letzten Kapiteln des Buches, in denen er seinem Schwiegersohn seine Lebensgeschichte erzählt, als Überlebensstratege und Alltagsphilosoph.

"Also, eigentlich hast du dich entschlossen, verrückt zu werden", schiebe ich ein. So allmählich wird mir einiges klar. "Nein, nichte verruckt. Binni verruckt? Freche Kerl. Ich bin nichte verruckt, sondern habbe nur eine ganz individuelle Sichte der Dinge. Iste eine philosophische Frage."

Natürlich ist dieses Buch voll von Stereotypen, wie wir alle sie über "die Italiener" kennen. Wie die Großfamilie mit ihren für den Außenstehenden nur schwer zu entwirrenden Verwandtschaftsbeziehungen, das Ritual des allabendlichen Corso, das Martyrium der italienischen Betten oder den Machismo der italienischen Männer, der am radikalsten von Antonios Bruder Raffaele verkörpert wird.

"Die meisten Europäer finden es heutzutage chauvimäßig, wenn der Mann abends nach Hause kommt und zur Begrüßung ruft: "Schatz, was gibt's zu essen?" Bei Raffaele ist es so, dass nicht er, sondern seine Frau abends nach Hause kommt und er zur Begrüßung ruft: "Schatz, was gibt's zu essen?" Diese Steigerung des machismo in die Unterdrückung der Frau fällt selbst jemandem wie Antonio auf und das will nun wirklich etwas heißen."

Gerade in den ersten Kapiteln ist das Buch zum Brüllen komisch und man sollte Familienmitglieder und Nachbarn vorsorglich auf unkontrollierte Lachanfälle vorbereiten. Doch je mehr die Geschichte voranschreitet, um so mehr überwiegen die leisen und melancholischen Töne. Einfühlsam schildert lässt der Autor seinen Helden Antonio von den ersten Jahren als Gastarbeiter in Deutschland erzählen, von der Fremdheit und Kühle des Landes und seiner Bewohner, von der offenen und versteckten Diskriminierung, die ihm entgegengebracht wird. Auch davon erzählt Jan Weiler mit leichter Hand, so dass man am Ende, das viel zu rasch kommt, das Buch mit einem leisen Lächeln aus der Hand legt.



                   © Jürgen Heße, Februar 2005

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