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Emile Zola:
Germinal
Insel Verlag, Frankfurt
567 Seiten
12,50 Euro


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Mein Urteil über:

Emile Zola:   Germinal

Zolas 1885 erschienener Roman "Germinal" zählt zu Recht zu den Meisterwerken dieses französischen Schriftstellers. Auf der Basis von sorgfältigen Recherchen schildert Zola die elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der nordfranzösischen Kohlebergleute am Ende des 19. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Arbeiter Etienne, der eines Tages in dem kleinen Bergarbeiterdorf bei der Grube le Voreux auftaucht. Durch einen Zufall bekommt er eine Stelle als Grubenarbeiter und freundet sich rasch mit der Bergmannsfamilie Maheu an, in dessen Haus er kurze Zeit später einzieht.

Die gesamte Region befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einer schweren wirtschaftlichen Krise und die Grubenbesitzer reagieren darauf, indem sie die Löhne der Bergleute noch weiter senken wollen.

Angestachelt durch die nur halbverstandene Lektüre der Schriften von Marx und Proudhon ruft Etienne die Arbeiter zum Streik gegen diese Ungerechtigkeit auf. Rasch steigt er zum Führer der Arbeiter in der Region auf. Doch die Grubenbesitzer lenken nicht ein und die von Etienne eingerichtete Unterstützungkasse ist bald leer. Besonnenere Stimmen unter den Bergleuten können sich nicht durchsetzen, die Lage spitzt sich immer weiter zu und endet schließlich in einem Gewaltmarsch der Grubenarbeiter auf das Städtchen Montsou, wo sie den Grubenbesitzer zur Rede stellen wollen.

Der Aufstand der Bergarbeiter wird durch das Militär niedergeschlagen. Und obwohl das Elend unter den Grubenarbeitern immer größer wird, weigern sie sich nachwievor, die Arbeit wieder aufzunehmen. Erst als sie gegen den Einsatz belgischer Bergleute, die als Streibrecher von den Bergwerksbesitzern angeheuert wurden, vorgehen wollen und das Militär einige von den Streikenden erschießt, ist der Widerstand endgültig gebrochen.

Aus Rachsucht und Verzweiflung unternimmt ein Arbeiter am Ende des Buches einen hinterhältigen Sabotageanschlag auf die Grube le Voreux, der zahlreiche seiner Kollegen, unter anderem auch Etienne, der ebensfalls die Arbeit wieder aufgenommen hat, in Lebensgefahr bringt. Nach seiner dramatischen Rettung verlässt Etienne das Dorf.

Zola Roman ist eine spannende und fesselnde Lektüre. Eindringlich schildert er die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Bergwerksschächten und die elenden Lebensbedingungen der Grubenarbeiter, die diese auf den Status von Tieren hinab sinken lässt, sie auf die Befriedigung ihres Geschlechts- und Esstriebs reduziert. Zwar schildert Zola auch die bourgeoise Gegenwelt, die Welt der Grubenbesitzer, ohne diese jedoch zu dämonisieren.

Was die politische Aussagekraft des Buches betrifft, so wird diese heute natürlich anders wahrgenommen als es bei Erscheinen des Werks der Fall gewesen sein mag. Dazu ist die Figur des Etienne doch zu idealistisch dargestellt und bleibt der Roman in der wirtschaftspolitischen Analyse der damals herrschenden Überproduktionskrise zu sehr an der Oberfläche. Doch eine rein politische, auf der Basis der heutigen Erkenntnisse beruhende, Kritik, würde Zolas Werk nicht gerecht werden.

Es ist ein großer zeitgenössischer sozialkritischer Roman, der zweifelsohne zu den Klassikern seines Genre zählt und dessen Lektüre auch den heutigen Leser fesselt.


                   © Jürgen Heße, Dezember 2005

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